Wir setzen konsequent auf den Ausstieg aus fossilen Energien und haben die Dekarbonisierung zum Kern unserer Unternehmensstrategie gemacht. Mit Fuel-Switch-Projekten bauen wir die Brücke von Kohle zu Erdgas und später zu Wasserstoff – und investieren dabei massiv in eine nachhaltige Versorgung. Unser Ziel ist es, bis 2040 Strom und Wärme ausschließlich klimaneutral (Netto-Null-Emissionen) zu erzeugen.
Am Standort Stuttgart-Münster hat die EnBW eines der ersten H₂-ready-Gaskraftwerke Deutschlands in Betrieb genommen. Die bisherigen Kohlekessel und heizölbetriebenen Turbinen wurden durch eine hocheffiziente Gasturbinenanlage mit einer Leistung von insgesamt 124 Megawatt ersetzt. Ab Mitte der 2030er-Jahre kann die neue Anlage schrittweise mit 100% Wasserstoff betrieben werden.
Der Ausstieg aus fossilen Energien ist eines der wichtigsten Ziele der Energiewende. Die EnBW unterstützt aktiv das Pariser Klimaabkommen und die daraus abgeleiteten Dekarbonisierungsziele der EU (2050) und Deutschlands (2045). Wir beschleunigen unsere eigene Transformation und streben bis 2040 Netto-Null-Emissionen im Unternehmen an.
Bislang können erneuerbare Energien den Bedarf allein nicht decken. Die Lösung: Gaskraftwerke als Zwischenschritt zur Deckung wetterbedingter Schwankungen der Erneuerbaren sowie zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit. Der Vorteil: Gaskraftwerke sind sehr flexibel steuerbar und deutlich umweltschonender als Kohlekraftwerke. Zudem ebnen sie den Weg zu CO₂-armen oder grünem Wasserstoff als Energieträger der Zukunft.
CO₂-Emissionen der Stromproduktion in Gramm pro Kilowattstunde
* Erzeugt aus 100 % erneuerbaren Energien (Quelle:
Der Begriff „Fuel Switch“ beschreibt den Wechsel von fossilen Energieträgern. Für uns bedeutet das: Wir modernisieren unsere Kraftwerksflotte und stellen die Strom- und Wärmeerzeugung erst von Kohle auf klimafreundlicheres Erdgas um. Im zweiten Schritt, in den 2030er-Jahren, sollen dann nur noch CO₂-arme Gase bzw. Wasserstoff eingesetzt werden. Deshalb bauen wir neue Gaskraftwerke so, dass eine spätere Nutzung und Beimischung von Wasserstoff möglich ist. Damit ist die EnBW bundesweit ganz vorne dabei.
Fuel Switch-Projekte: konsequent kohlefrei
In Stuttgart-Gaisburg haben wir bereits 2019 ein hauptsächlich mit Kohle betriebenes Heizkraftwerk durch ein modernes Gas-Heizwerk ersetzt. Mit den drei EnBW-Standorten Altbach/Deizisau, Heilbronn und Stuttgart-Münster haben wir weitere Fuel Switch-Projekte auf den Weg gebracht. Auch bei den weiteren Anlagen werden wir den Weg in eine kohlefreie Zukunft weitergehen und unsere Standorte in Abhängigkeit von entsprechenden Rahmenbedingungen weiterentwickeln.
Die EnBW betreibt an sieben Standorten konventionelle Kraftwerke und ist an weiteren Anlagen beteiligt. Unsere Kraftwerke bieten nicht nur gute Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit, sondern auch sehr hohe Wirkungsgrade, etwa durch Kraft-Wärme-Kopplung
Die Abwärme eines Kraftwerks kann in seinem Umfeld zum Heizen von Gebäuden oder als Prozesswärme genutzt werden. In diesem Fall wird bei gleichem Brennstoffeinsatz mehr Nutzenergie erzeugt, das heißt, der Wirkungsgrad ist höher. Ein Kraftwerk, das Strom und Wärme gekoppelt nutzt, nennt man Heizkraftwerk.
Jährlich investieren wir hohe Millionenbeträge in die technische Optimierung. Nicht jedes Kraftwerk befindet sich dabei aktiv im Markt: Der ältere Block des Heizkraftwerks Altbach/Deizisau zum Beispiel ist in Netzreserve und kommt auf Anforderung des Übertragungsnetzbetreibers nur bei Bedarf zum Einsatz, um die Netzstabilität zu sichern.
Unsere Kraftwerke und Standort-Beteiligungen im Überblick
Das Heizkraftwerk Stuttgart-Gaisburg ging 1950 erstmals in Betrieb und versorgt das Stuttgarter Fernwärmenetz zuverlässig, wirtschaftlich und umweltfreundlich mit Energie. Am Standort produzieren drei Gasmotoren Strom und Fernwärme im Kraft-Wärme-Kopplungsmodus. Mit einem zusätzlichen Wärmespeicher von 300 Megawattstunden Kapazität erfüllt das Kraftwerk für die Fernwärmeregion Stuttgart/Mittlerer Neckar eine wichtige Spitzen- und Reservefunktion.
- Energieträger: Erdgas
- Fuel-Switch-Standort
- Werkleistung: 30 MW
- Fernwärmeleistung: 310 MW
Das Heizkraftwerk Altbach/Deizisau ging 1899 erstmals in Betrieb und versorgt die Region Mittlerer Neckar zuverlässig, wirtschaftlich und umweltfreundlich mit Energie. Am Standort produzieren drei Gasturbinenanlagen und zwei steinkohlebetriebene Blöcke Strom und Fernwärme im Kraft-Wärme-Kopplungsmodus. Heizkraftwerk 1 ist seit 2017 in der Netzreserve und sichert die Netzstabilität. Heizkraftwerk 2 wird seit 1997 betrieben.
- Energieträger: Steinkohle, Heizöl und Erdgas, ab 2035 Wasserstoff
- Fuel-Switch-Standort
- Werkleistung: 1.018 MW
- Fernwärmeleistung: 280 MW
Das Heizkraftwerk Heilbronn, eines der größten Steinkohlekraftwerke der EnBW, ging 1923 erstmals in Betrieb und liegt in einem Industrie- und Gewerbegebiet am Rande der Stadt Heilbronn unmittelbar am Neckar. Am Standort produzieren drei steinkohlebetriebene Blöcke Strom und Fernwärme im Kraft-Wärme-Kopplungsmodus. Zu Regelungszwecken wurde im Jahr 2017 eine Kraftwerksbatterie mit 5 Megawattstunden Kapazität in Betrieb genommen.
- Energieträger: Steinkohle, ab 2027 Erdgas, ab 2035 Wasserstoff
- Fuel-Switch-Standort
- Werkleistung: 1.028 MW
- Fernwärmeleistung: 320 MW
Das Kraftwerk Walheim ging 1964 erstmals in Betrieb und ermöglicht künftig eine nachhaltige Verwertung von Klärschlamm aus Baden-Württemberg. Am Standort kommt bei Bedarfsspitzen im Stromnetz eine Gasturbine zum Einsatz, ein hochmodernes Klärschlammheizkraftwerk wird in Zukunft zudem Strom und Fernwärme als Nebenprodukt produzieren. Durch Auskopplung der umweltfreundlichen Fernwärme könnten dabei bis zu 300 Haushalte versorgt werden.
- Energieträger: Heizöl und ab 2028 Klärschlamm
- Werkleistung: 143 MW
Das Kraftwerk Marbach ging 1940 erstmals in Betrieb und gewährleistet als Reservekraftwerk bzw. als besonderes netztechnisches Betriebsmittel die Netzstabilität und die Versorgungssicherheit in Süddeutschland. Am Standort produzieren die beiden Gasturbinen Marbach 3 und Marbach 4 im Bedarfsfall dringend benötigten Strom. Zudem befindet sich dort ein Tanklager für leichtes Heizöl, um die Anlagen jederzeit mit genügend Brennstoff zu versorgen.
- Energieträger: Heizöl
- Werkleistung: 395 MW
- Feuerungswärmeleistung: 1.254 MW
Das Rheinhafen-Dampfkraftwerk Karlsruhe (RDK) ging 1955 erstmals in Betrieb und versorgt die Wirtschaftsregion Karlsruhe zuverlässig, wirtschaftlich und umweltschonend mit Energie. Am Standort produzieren eine Gas- und Dampfturbinenanlage und zwei steinkohlebetriebene Blöcke Strom und Fernwärme im Kraft-Wärme-Kopplungsmodus. Block 8, seit 2014 im Marktbetrieb, ist mit seinem Nettowirkungsgrad von 46 Prozent einer der effizientesten Steinkohleblöcke weltweit.
- Energieträger: Steinkohle und Erdgas
- Potenzieller Fuel-Switch-Standort
- Werkleistung: 1.811 MW
- Fernwärmeleistung: 220 MW
Das Heizkraftwerk Stuttgart-Münster ging 1908 erstmals in Betrieb und versorgt die Region Mittlerer Neckar zuverlässig, wirtschaftlich und umweltfreundlich mit Energie. Am Standort produzieren zwei Gasturbinenanlagen, drei steinkohlebetriebene Kessel und eine Abfallverbrennungsanlage Strom und Fernwärme im Kraft-Wärme-Kopplungsmodus. Zusätzlich erzeugt eine Großwärmepumpe Fernwärme über dessen Kühlwasserablauf.
- Energieträger: Restmüll; Steinkohle, Heizöl und Erdgas, ab 2035 Wasserstoff
- Fuel-Switch-Standort
- Werkleistung: 238 MW
- Fernwärmeleistung: 450 MW
Das Großkraftwerk Mannheim wurde 1921 in Betrieb genommen und bliefert seitdem die Region Rhein-Neckar zuverlässig mit Strom und Fernwärme. Der Wasserdampf, der durch die Verbrennung von Steinkohle ensteht, kann durch spezielle Fernheizturbinen zur Wärmeerzeugung weiterverwendet werden. Durch diese Kraft-Wärme-Kopplung (KKW) ist der Gesamtwirkungsgrad wesentlich höher als bei der getrennten Erzeugung von Strom und Wärme.
- EnBW-Beteiligung am Kraftwerk: 32 %
- Energieträger: Steinkohle
- Werkleistung: 2.146 MW
- Fernwärmeleistung: 1.500 MW
Als eines der modernsten Steinkohlekraftwerke der Bundesrepublik Deutschland verfügt Rostock mit einem Wirkungsgrad von 43,2% (bei voller Nutzung der Wärmeauskopplung 62%) derzeit über einen der höchsten unter den Steinkohlekraftwerken in Europa. Das Mittellastkraftwerk wurde 1994 in Betrieb genommen und war damit der erste Neubau dieser Art in den neuen Bundesländern. Eine Besonderheit des Kraftwerks Rostock ist der 141,5 Meter hohe Kühlturm, der auch als Schornstein dient.
- EnBW-Beteiligung am Kraftwerk: 50,38 %
- Energieträger: Steinkohle
- Werkleistung: 553 MW
- Fernwärmeleistung: 150 MW
Unsere grünen Kraftwerke
Wir setzen auf die Kraft von Wind, Sonne und Wasser. Schon jetzt machen die erneuerbaren Energien rund 60 Prozent unseres Kraftwerksportfolios aus. Bis 2030 wollen wir ihren Anteil auf mehr als 70 Prozent steigern. Deshalb investieren wir in den nächsten Jahren massiv in Windkraft und Solarenergie.
Der Betrieb mit Erdgas ist in allen Kraftwerken nur eine Brückentechnologie. Das langfristige Ziel ist die vollständige Umstellung auf CO₂-armen oder grünen Wasserstoff, mit der wir Mitte der 2030er-Jahre rechnen. Vor der Umstellung müssen die Kraftwerke noch an das derzeit entstehende Wasserstoffnetz angeschlossen und nachgerüstet werden. Dann können sie zu 100 Prozent Wasserstoff nutzen.