Wir setzen konsequent auf den Ausstieg aus fossilen Energien und haben die Dekarbonisierung zum Kern unserer Unternehmensstrategie gemacht. Mit Fuel-Switch-Projekten bauen wir die Brücke von Kohle zu Erdgas und später zu Wasserstoff – und investieren dabei massiv in eine nachhaltige Versorgung. Unser Ziel ist es, in den 2030er-Jahren Strom und Wärme ausschließlich klimaneutral zu erzeugen.
Am Standort Stuttgart-Münster entsteht das erste H2-ready-Gaskraftwerk der EnBW. Die bisherigen Kohlekessel und heizölbetriebenen Turbinen werden durch eine hocheffiziente Gasturbinenanlage mit einer Leistung von 124 Megawatt ersetzt. Durch die Umstellung kann im Laufe des Jahres 2025 die Fernwärme-Erzeugung im Stadtgebiet Stuttgart kohlefrei erfolgen.
Der Ausstieg aus fossilen Energien ist eines der wichtigsten Ziele der Energiewende. Die EnBW unterstützt aktiv das Pariser Klimaabkommen und die daraus abgeleiteten Dekarbonisierungsziele der EU (2050) und Deutschlands (2045). Wir beschleunigen unsere eigene Transformation und streben bis 2035 Klimaneutralität an.
Bislang können erneuerbare Energien den Bedarf allein nicht decken. Die Lösung: Gaskraftwerke als Zwischenschritt zur Deckung wetterbedingter Schwankungen der Erneuerbaren sowie zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit. Der Vorteil: Gaskraftwerke sind sehr flexibel steuerbar und deutlich umweltschonender als Kohlekraftwerke. Zudem ebnen sie den Weg zu CO₂-armen oder grünem Wasserstoff als Energieträger der Zukunft.
CO₂-Emissionen der Stromproduktion in Gramm pro Kilowattstunde
* Erzeugt aus 100 % erneuerbaren Energien (Quelle:
Der Begriff „Fuel Switch“ beschreibt den Wechsel von fossilen Energieträgern. Für uns bedeutet das: Wir modernisieren unsere Kraftwerksflotte und stellen die Strom- und Wärmeerzeugung erst von Kohle auf klimafreundlicheres Erdgas um. Im zweiten Schritt, in den 2030er-Jahren, sollen dann nur noch CO₂-arme Gase bzw. Wasserstoff eingesetzt werden. Deshalb bauen wir neue Gaskraftwerke so, dass eine spätere Nutzung und Beimischung von Wasserstoff möglich ist. Damit ist die EnBW bundesweit ganz vorne dabei.
Fuel Switch-Projekte: konsequent kohlefrei
In Stuttgart-Gaisburg haben wir bereits 2019 ein hauptsächlich mit Kohle betriebenes Heizkraftwerk durch ein modernes Gas-Heizwerk ersetzt. Mit den drei EnBW-Standorten Altbach/Deizisau, Heilbronn und Stuttgart-Münster haben wir weitere Fuel Switch-Projekte auf den Weg gebracht. Auch bei den weiteren Anlagen werden wir den Weg in eine kohlefreie Zukunft weitergehen und unsere Standorte in Abhängigkeit von entsprechenden Rahmenbedingungen weiterentwickeln.
Die EnBW betreibt an sieben Standorten konventionelle Kraftwerke und ist an weiteren Anlagen beteiligt. Unsere Kraftwerke bieten nicht nur gute Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit, sondern auch sehr hohe Wirkungsgrade, etwa durch Kraft-Wärme-Kopplung
Die Abwärme eines Kraftwerks kann in seinem Umfeld zum Heizen von Gebäuden oder als Prozesswärme genutzt werden. In diesem Fall wird bei gleichem Brennstoffeinsatz mehr Nutzenergie erzeugt, das heißt, der Wirkungsgrad ist höher. Ein Kraftwerk, das Strom und Wärme gekoppelt nutzt, nennt man Heizkraftwerk.
Jährlich investieren wir hohe Millionenbeträge in die technische Optimierung. Nicht jedes Kraftwerk befindet sich dabei aktiv im Markt: Der ältere Block des Heizkraftwerks Altbach/Deizisau zum Beispiel ist in Netzreserve und kommt auf Anforderung des Übertragungsnetzbetreibers nur bei Bedarf zum Einsatz, um die Netzstabilität zu sichern.
Unsere Kraftwerke und Standort-Beteiligungen im Überblick
Um zukünftig noch umweltfreundlicher und effizienter Wärme für das Stuttgarter Fernwärmenetz zu erzeugen, wurde das Heizkraftwerk Stuttgart-Gaisburg in den letzten Jahren grundlegend modernisiert. Ein wesentlich kleineres, effizientes und emissionsärmeres Gas-Heizwerk hat das hauptsächlich mit Kohle gefeuerte Heizkraftwerk komplett ersetzt, um die für die Fernwärmeregion Stuttgart/Mittlerer Neckar wichtige Spitzen- und Reservefunktion zu erfüllen.
- Energieträger: Gas, ab 2035 Wasserstoff
- Fuel Switch-Standort
- Werkleistung: 300 MWh
- Fernwärmeleistung: 310 MW
Das Heizkraftwerk Altbach/Deizisau ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region für eine zuverlässige, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung. Die EnBW betreibt an diesem Standort mehrere Anlagen mit einer elektrischen Leistung von insgesamt rund 1.200 Megawatt.
- Energieträger: Erdgas, ab 2035 Wasserstoff
- Fuel Switch-Standort
- Werkleistung: 750 MW
- Fernwärmeleistung: 300 MW
Das Heizkraftwerk Heilbronn liegt in einem Industrie- und Gewerbegebiet am Rande der Stadt unmittelbar am Neckar. Es wird mit einer Kraft-Wärme-Kopplung betrieben und gehört mit einer elektrischen Leistung von 1.100 MW sowie einer auskoppelbaren thermischen Leistung von 320 MW zu den großen Steinkohlekraftwerken der EnBW.
- Energieträger: Steinkohle, ab 2035 Wasserstoff
- Fuel Switch-Standort
- Werkleitstung: 1.100 MW
- Fernwärmeleistung: 320 MW
Das Kraftwerk Walheim wurde in den Jahren 1962 bis 1967 von der Neckarwerke Elektrizitätsversorgungs AG gebaut. Es verfügt über zwei kohlebefeuerte Blöcke. Block 1 ging im September 1964 ans Netz, Block 2 im August 1967. Im Winter 1981/1982 wurde im Kraftwerk Walheim eine mit leichtem Heizöl befeuerte Gasturbine in Betrieb genommen.
- Energieträger: Kohle und Heizöl
- Werkleistung: 1,5 MW
- Nahwärmeleistung: 4 MW
Von den ursprünglich drei Blöcken sind heute noch die Kraftwerksblöcke Marbach 2 und 3 mit einer Leistung von insgesamt 413 Megawatt in Betrieb. Sie dienen als Sicherheitsreserven. Das bedeutet, dass sie ständig betriebsbereit sein müssen. Marbach 2 ist eine Gasturbinenanlage, bei der die Stahltriebwerke der Firma Rolls Royce die Nutzleistungsturbinen antreiben.
- Energieträger: Heizöl
- Werkleistung: 300 MW
- Feuerungswärmeleistung: 940 MW
Am Standort des Rheinhafen-Dampfkraftwerks Karlsruhe – kurz RDK – ging nach langjähriger Bauzeit ein neuer Steinkohleblock in Betrieb: RDK 8. Der Kraftwerksneubau RDK 8 ist wesentlicher Bestandteil einer umweltschonenden Energieversorgung. Mit einer Vielzahl an technischen Innovationen setzt RDK 8 weltweit einen neuen Maßstab für effiziente und damit umweltschonende Erzeugung von Strom und Fernwärme aus Steinkohle.
- Energieträger: Steinkohle
- Werkleistung: 912 MW
- Fernwärmeleistung: 220 MW
Mit dem Neubau einer Gasturbinen-Anlage zur Erzeugung von Strom und Wärme auf Basis von Erdgas am Standort Stuttgart-Münster kommt die EnBW dem Ziel der Energiewende einen Schritt näher. Der Fuel Switch auf klimafreundlicheres Erdgas ist dabei nur eine Brückentechnologie auf dem Weg zur Energieerzeugung über grüne Gase wie regenerativ erzeugtem Wasserstoff.
- Energieträger: Erdgas, ab 2035 Wasserstoff
- Fuel Switch-Standort
- Werkleistung: 238 MW
- Fernwärmeleistung: 450 MW
Das Großkraftwerk Mannheim wurde 1921 in Betrieb genommen und bliefert seitdem die Region Rhein-Neckar zuverlässig mit Strom und Fernwärme. Der Wasserdampf, der durch die Verbrennung von Steinkohle ensteht, kann durch spezielle Fernheizturbinen zur Wärmeerzeugung weiterverwendet werden. Durch diese Kraft-Wärme-Kopplung (KKW) ist der Gesamtwirkungsgrad wesentlich höher als bei der getrennten Erzeugung von Strom und Wärme.
- EnBW-Beteiligung am Kraftwerk: 32 %
- Energieträger: Steinkohle
- Werkleistung: 2.146 MW
- Fernwärmeleistung: 1.500 MW
Als eines der modernsten Steinkohlekraftwerke der Bundesrepublik Deutschland verfügt Rostock mit einem Wirkungsgrad von 43,2% (bei voller Nutzung der Wärmeauskopplung 62%) derzeit über einen der höchsten unter den Steinkohlekraftwerken in Europa. Das Mittellastkraftwerk wurde 1994 in Betrieb genommen und war damit der erste Neubau dieser Art in den neuen Bundesländern. Eine Besonderheit des Kraftwerks Rostock ist der 141,5 Meter hohe Kühlturm, der auch als Schornstein dient.
- EnBW-Beteiligung am Kraftwerk: 50,38 %
- Energieträger: Steinkohle
- Werkleistung: 553 MW
- Fernwärmeleistung: 150 MW
Das Kraftwerk Lippendorf ist ein Gemeinschaftskraftwerk der LEAG und der EnBW. Beiden gehört jeweils ein Kraftwerksblock der modernen Doppelblockanlage. Der Startschuss für die großtechnische Braunkohlenverstromung fiel 1926, als der erste Turbogenerator des damaligen Industriekraftwerks Böhlen mit dem Netz gekoppelt wurde. Gemäß Kohleverstromungsbeendigungsgesetz wird der Kraftwerksstandort bis Ende 2035 am Netz bleiben.
- EnBW-Beteiligung am Kraftwerk: 50 %
- Energieträger: Braunkohle
- Werkleistung: 1.840 MW
Unsere grünen Kraftwerke
Wir setzen auf die Kraft von Wind, Sonne und Wasser. Schon jetzt machen die erneuerbaren Energien rund 60 Prozent unseres Kraftwerksportfolios aus. Bis 2030 wollen wir ihren Anteil auf mehr als 70 Prozent steigern. Deshalb investieren wir in den nächsten Jahren massiv in Windkraft und Solarenergie.
Der Betrieb mit Erdgas ist in allen Kraftwerken nur eine Brückentechnologie. Das langfristige Ziel ist die vollständige Umstellung auf CO₂-armen oder grünen Wasserstoff, mit der wir Mitte der 2030er-Jahre rechnen. Vor der Umstellung müssen die Kraftwerke noch an das derzeit entstehende Wasserstoffnetz angeschlossen und nachgerüstet werden. Dann können sie zu 100 Prozent Wasserstoff nutzen.